Über 8.000 Automaten wurden 2008 in Berlin gezählt. Neben den zahlreichen Gaststätten stehen sie in 302 legalen Spielhallen und erwirtschaften 2008 einen Umsatz von 70 Millionen Euro. Tendenz steigend. Wirtschaftsfaktor oder Problem?
“Definitiv ein großes Problem!”, erklärt Wolfgang Lehmann, Bezirksverordneter von Bündnis 90/DIE GRÜNEN in Berlin-Mitte. Spielhallen bringen zwar einen hohen Umsatz mit sich, aber auch Raub, Geldwäsche und Beschaffungskriminalität. 80% der Spielsüchtigen befriedigen ihre Spielsucht am Automaten, lauten die Erfahrungsberichte und Schätzungen. Außerdem ist davon auszugehen, dass Drogensüchtige 100 Euro pro Tag benötigen, um Sucht und Überleben zu finanzieren. Spielsüchtige hingegen brauchen täglich das Fünffache an Geld. Wahrlich ein teures Unterfangen!
Neben der Kriminalität verdrängen Spielhallen auch alternative Geschäfte, da angesichts hohen Umsatzes auch hohe Mieten bezahlt werden können. Darüber hinaus ziehen sie 1-Euro-Läden nach sich und werten die Kieze ab. Maßnahmen des Bezirkes zur Aufwertung von Kiezen werden somit schnell zunichte gemacht.
Über 25 Prozent aller Berliner Spielhallen befinden sich im Bezirk Mitte, allen voran im Wedding (38) und in Tiergarten (26). Allein die Müllerstraße beherbergt 12 Spielhallen und die Anträge lassen nicht nach.
Doch was tun? Mehr Kontrolle, eine höhere Vergnügungssteuer und strengere gesetzliche Vorgaben fordern die bündnisgrünen Bezirksverordneten. Dafür müsste das Ordnungsamt in Mitte personell aufgestockt und spezifisch geschult werden. Doch das Problem ist auch außerhalb Mittes bekannt: Neukölln, Friedrichshain, Pankow, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg kennen die Probleme nur zu gut. Noch versuchen die Bezirksämter das Baurecht zu nutzen, um neue Spielhallen zu verhindern. Doch der Weisheit letzter Schluss ist es nicht. Änderungen der Spielverordnungen und des Gaststättengesetzes sind gefragt, doch dafür müsste der rot-rote Senat aktiv werden. Bis dahin rollt der Euro weiter durch Berlins Spielautomatenlandschaft. Gewinner und Verlierer lassen sich jetzt schon ausmachen.
AB