Potsdamer Platz, Foto: Matthias Borowski

Potsdamer Platz, Foto: Matthias Borowski

Wie geht es weiter mit dem Potsdamer Platz?

Bündnisgrüner Besuch und Rundgang durch das Gebiet

Der Bezirk Mitte verfügt aufgrund seiner Zentrumslage und großen touristischen Attraktivität über eine im Vergleich zu anderen Berliner Bezirken hohe Anzahl von attraktiven Einkaufsstraßen und -zentren. Während insbesondere in den Altbezirken Moabit und Wedding entsprechende Zentren im vergangenen Jahrzehnt weitestgehend ihre wirtschaftliche Funktion verloren haben und seit 2010 vom Bezirksamt im Rahmen des Projekts „Aktive Stadtzentren“ wieder städtebaulich wie wirtschaftlich konditioniert werden, besteht im sogenannten Zentrumsbereich, also jenen stark touristisch genutzten Quartieren von Mitte, ein hoher gewerblicher Konkurrenzdruck, der sich in einer Vielzahl attraktiver miteinander konkurrierender Einkaufsstraßen und -zentren niederschlägt. Hierzu gehört auch der Potsdamer Platz, ein städtebaulich wie wirtschaftlich bedeutender Einzelhandelsstandort an der Grenze zwischen Tiergarten, Kreuzberg und Mitte.

Seit dem Fall der Mauer entstand dort mittels starker baulicher Verdichtung ein touristisch ausgerichtetes Büro- und Einkaufsquartier. Trotzdem bleibt der Potsdamer Platz weiterhin für Investoren attraktiv, sodass die letzte ebendort verbliebene Baulücke mittlerweile geschlossen und in diesem Frühjahr ein weiteres Einkaufszentrum unter dem Titel „Leipziger Platz Mall of Berlin“ eröffnen wird.

Grund genug für die im bezirklichen Wirtschaftsausschuss vertretenen Mitglieder der bündnisgrünen BVV-Fraktion, die Potsdamer Platz Management GmbH (PPMG), als Verwalterin der Liegenschaften des Potsdamer Platzes zu besuchen und mit der Geschäftsführung über die zukünftige wirtschaftliche Ausrichtung dieses innerstädtischen Einkaufs- und Büroquartiers in Zeiten konkurrierender Einkaufsquartiere zu sprechen.

Gemeinsam mit Herrn Hintze, Geschäftsführer der Potsdamer Platz Management GmbH, und Frau Hohendorf, Leiterin des diesbezüglichen Objektmanagements, konnten wir uns von den fortlaufenden Investitionstätigkeiten der PPMG für diesen Standort überzeugen: Neben einem im letzten Jahr in Betrieb genommenen mehrsprachigen Mobilitäts- und Leitsystem, welches mit Quick-Response-Codes ausgestattet BesitzerInnen von mobilen Endgeräten über aktuelle Angebote am Potsdamer Platz informiert, wird der Potsdamer Platz als Ort der Elektromobilität im Rahmen eines bezirklichen WdM- Projektes (Wirtschaftsdienliche Maßnahmen) die kommenden Jahre mit weiteren CO2 freien Stromtankstellen qualifiziert werden, um das oberirdische Kundenparken sowie den unterirdischen Logistikverkehr zu elektrifizieren. Bereits heute führt ein bekannter deutscher Automobilhersteller auf einer dortigen Privatstraße seine Elektrofahrzeuge vor und die PPMG wird die kommenden Jahre weitere Kundenparkplätze durch entsprechende Markierungen nur für Elektrofahrzeuge vorhalten. Auch, wenn wir als Grüne wissen, dass es noch ein weiter Weg bis zur CO 2 neutralen Fortbewegung ist, freuen wir uns über diesbezügliche Vorbildfunktion der PPMG. Auch sollte dies ein Beispiel für die weiteren bezirklichen Einkaufsquartiere sein.

Während in Berliner Tageszeitungen die Eröffnung des Leipziger Platz- Einkaufsquartiers als schadhafte Konkurrenz zum Einkaufsstandort Potsdamer Platz eingeschätzt wird, sieht die PPMG im Leipziger Platz- Shoppingquartier eher eine inhaltliche Ergänzung zu den bisherigen Einkaufsangeboten am Potsdamer Platz. Zwar gab es auch zahlreiche Wegzüge bekannter internationaler Modeketten zum Leipziger Platz und zwischenzeitlich eine hohe gewerbliche Leerstandsrate; trotzdem konnten entsprechende Büro- und Einzelhandelsflächen zügig nachvermietet werden. Auch möchte die PPMG durch weitere Investitionen in den öffentlichen Raum und in die Potsdamer Platz Arkaden die Aufenthaltsqualität am Potsdamer Platz auf einem hohen Niveau halten und als Büro- und Einkaufsquartier attraktiv bleiben.

Wir als Grüne begrüßen entsprechende Absichten der PPMG und werden die weitere Entwicklung des Potsdamer Platzes konstruktiv begleiten. Insbesondere hat es uns gefreut zu erfahren, dass die PPMG auch für den Zustand des öffentlichen Raums Verantwortung übernimmt und entsprechende Gehwege ebendort regelmäßig – obwohl teilweise in bezirklicher Zuständigkeit – reinigen lässt. Faktisch besteht somit am Potsdamer Platz Berlins erstes Business Improvement District, obwohl die Berliner Regierungskoalition aus SPD und CDU entsprechende gesetzliche Grundlage immer weiter hinauszögert und sich der Eindruck verfestigt, dass insbesondere die SPD entsprechende gesetzliche Grundlage zum Nachteil bezirklicher Zentren politisch ablehnt.

Letztlich halten wir es für die weitere Entwicklung des Tourismusstandorts Berlin-Mitte für unabdingbar, dass sich das Bezirksamt bei der Ertüchtigung der bezirklichen Zentren in Wedding und Moabit sowie bei baurechtlichen Neuplanungen von weiteren Einkaufsstandorten in Mitte um eine stärkere Unterscheidbarkeit der bezirklichen Einkaufsquartiere im Sinne der Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen bemüht, z.B. durch Einflussnahme auf die städtebauliche Gestaltung, den wirtschaftlichen Branchenmix sowie die Eingliederung von Neuplanungen in das vorhandene soziale Umfeld. Denn nicht die Quantität bezirklicher Zentren ist für Berlins Mitte ausschlaggebend, sondern die für die BerlinerInnen und TouristInnen wahrzunehmende unverwechselbare Qualität der Einkaufsquartiere.

Taylan Kurt, Bürgerdeputierter im Wirtschaftsausschuss der BVV Mitte

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