SPD will sich auf Kosten der Kultur retten

In der letzten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Berlin-Mitte am 19.04.2012 hat der Bezirksbürgermeister und Finanzstadtrat Dr. Christian Hanke (SPD) seinen Offenbarungseid geleistet. Er hat der BVV einen Haushalt vorgestellt, den sie gar nicht mehr richtig beraten kann, weil der Haushalt für Mitte durch den Finanzsenator und den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses aufgestellt wird.

Aber der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der BVV, Hans-Günter Mahr, hat schon mal vorgebaut und ein Schlachtopfer des Bezirks vorgeschlagen: Die kommunalen Galerien sollen es sein. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen lehnt eine solche Streichung ab, weil sie zum einen wertvolles Vermögen des Bezirks zerstört und zum anderen den Haushalt auch nicht entlastet, sondern ihm Einnahmen entzieht.

Kommunale Galerien sind im Bezirk Mitte Budgetgewinner. Nach der Berliner Finanzierungssystematik sind die kommunalen „galerie weißer elefant“ und „Galerie Wedding“ gut aufgestellt mit geringem Mitteleinsatz und einem umfangreichen Angebot auf hohem künstlerischem Niveau. Jede Reduzierung dieses Angebotes zeugt von ökonomischer Unkenntnis und kulturpolitischer Einfalt.

Bezirkliche Galerien wirken sich nicht nur finanziell positiv aus, sondern unterstützen mit ihrer Arbeit auch die sozialen Strukturen des Bezirks. Die Galerie Wedding steht gegen das Schmuddelvorurteil, mit dem der Wedding immer noch kämpft. Sie ist auch einen Ort der Kommunikation für Menschen verschiedenster Milieus: KiezbewohnerInnen, BildungsbürgerInnen, KünstlerInnen, Kunststudierende, junger Menschen auf ihrem Weg in die Gesellschaft.

Beide Galerien geben der Bevölkerung die Möglichkeit, sich mit Kunst und Kultur auseinanderzusetzen. Sie engagieren sich für die gesellschaftliche Entwicklung im Bezirk, indem sie z.B. Kindern und Jugendlichen des Bezirks Mitte eine Tür zur Kunst und Kultur öffnen. Interkulturelle Kompetenz wird gefördert, kritische Beschäftigung mit den Themen der Ausstellungen gefordert, kulturelle Vielfalt präsentiert. Ohne finanziellen Druck bieten kommunale Galerien im bezirklichen Rahmen Plattformen, die „Gesellschaft“ benötigt, um sich weiterentwickeln zu können.

In diesem wichtigen Prozess übernimmt der Bezirk mit dem Betrieb kommunaler Galerien an unterschiedlichen Orten und mit unterschiedlichen Schwerpunkten Verantwortung für seine Bürgerinnen und Bürgern. Er eröffnet seiner gesamten Bürgerschaft Teilhabe am kulturellen Leben.

Kontakt:

Andrea Fischer, Fraktionssprecherin
Ferhad Ahma, Sprecher für Bildung und Kultur

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