Planungen seitens des Bezirksamts zur Umgestaltung des Kleinen Tiergarten

Der Kleine Tiergarten Ost und West befinden sich noch immer in einem rekonstruktions-würdigen Zustand. Die ursprünglichen Parkräume sind zum Teil nur noch zu erahnen. Die Pflegerückstände sind deutlich sichtbar. Die erhaltenswerte Baumsubstanz ist durch Wildwuchs und jahrzehntelang fehlender Baumpflegearbeiten stark gefährdet und die Parkmotive sind weitgehend verloren gegangen.

Das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten Ost ist als solches kaum noch zu erkennen. Das bisherige Ergebnis der Umgestaltung des Ottoparks kann eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern nicht überzeugen.

Im Rahmen der Planungen zum Kleinen Tiergarten, Mittlerer Teil (auch als Tiergarten-West bezeichnet, gelegen zwischen Thusnelda-Allee und Stromstraße) sind gleichermaßen ähnliche Ergebnisse zu erwarten wie im Ottopark, da unserer Auffassung nach die Wünsche der Anwohner wiederum nur unzureichend beachtet wurden.

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen verlangt daher unter Berücksichtigung dieser Analyse folgendes weitere Vorgehen des Bezirksamtes bei den Planungen zum Gartendenkmal Kleiner Tiergarten Ost:

Wiederherstellung, Erhalt und Entwicklung des Kleinen Tiergartens Ost als bedeutenden innerstädtischen Park- und Erholungsraum einschließlich angemessener Sport- und Spielnutzungen. Parkräume und Parkmotive, Ausstattungen und Möblierung sind in den Park zu integrieren.

  • Vorrangig umzusetzen sind unserer Ansicht nach folgende Aspekte:
    Sicherung des erhaltenswerten Grünbestands.
  • Eine Verstärkung des Umwelt- und Naturschutzgedankens ist bereits in der Planung durch einen lediglich behutsamen Eingriff in den Grünbestand zu dokumentieren.
  • In einem ersten Schritt ist die Instandsetzung folgender baulichen und pflanzlichen Denkmale des Kleinen Tiergartens in ihrer Einheit umzusetzen.

Begründung:
Änderungen an eine gewachsene Umwelt müssen behutsam und umweltschonend durchgeführt werden, damit letztlich wieder stadtökologische Aspekte gegenüber anderen Argumenten eine gleichwertige Rolle spielen.

Da die Planungen für den Kleinen Tiergarten West bereits abgeschlossen sind hat die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen – auch unter teilweiser Berücksichtigung der Argumente sich engagierender Bürgerinitiativen und Naturschutzverbände – folgenden nachstehenden Antrag für das Gartendenkmal Kleiner Tiergarten Ost erarbeitet:

Antrag

über

Planungen zur Umgestaltung des Gartendenkmales Kleiner Tiergarten (Ost)

Das Bezirksamt wird aufgefordert, auf der Grundlage der Planungen von Alverdes mit Vorrang in einem ersten Schritt die Instandsetzung folgender baulichen und pflanzlichen Denkmale des Kleinen Tiergartens in ihrer Einheit umzusetzen:

a. Senkgarten mit Blumentheater:
Alternativnutzung Wasserbecken u.a. eine Bepflanzung prüfen. Wiederinbetriebnahme eines Teils der Wasserspiele /Springbrunnen
b. Randbereiche – Sitzgruppen entlang Straße Alt- Moabit und Turmstraße: Die durchlaufenden Hecken zu bewahren und eine Sicht auf die
Wiesenbereiche herzustellen.

Sowie folgende Sachverhalte anzustreben:

c. Regenschutzhalle: Nutzung als Teehaus prüfen.
d. Ruheplätze für Senioren verorten.
e. Einen Künstlertreffpunkt einrichten.
f. Die Voraussetzungen zu schaffen, dem Wunsch der Menschen nach Beteiligung an der Grünpflege zu entsprechen.
g. Erweiterung des Cafés am Park und Prüfung wie die Errichtung eines Wintergartens ermöglicht wird.

Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel werden durch den Verzicht auf den Bau der geplanten Sitzkiesel (im Bereich Stromstr. bis St. Johanniskirche) bereitgestellt.

Des Weiteren wird das Bezirksamt aufgefordert:

1. in Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Landesdenkmalamt zu prüfen, welche der von Alverdes verwendeten Pflanzen in ihrer Vielfalt (Bäume, Hecken, Blumen) noch vorhanden sind, diese vor Fällung und Beseitigung zu bewahren und den fehlenden Bewuchs weitestgehend zu ergänzen,

2. gerade unter Beachtung des Naturschutzes den Erhalt aller besonders großen und gesunden Bäume weitestgehend anzustreben. Bei der Auslobung des landschaftsplanerischen Wettbewerbs ist ein behutsamer Umgang mit dem Baumbestand gefordert worden. Dieser ist nachzuweisen.

3. Im Rahmen der Gartendenkmalpflege in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt ein Parkpflegewerk zu erstellen, um für den Erhalt des Denkmales zu sorgen und dabei Bedingungen zu schaffen, die die Übernahme von Pflegeaufgaben in Teilbereichen der Parkanlagen durch Anwohnerinnen und Anwohnern ermutigen, um die finanzielle Situation des Bezirks zu entlasten und die integrative Kraft von Bürgerengagement zu
nutzen,

4. die Instandsetzung bzw. die Wiederinbetriebnahme von Wasserspielen/Springbrunnen durch Sponsorenakquise zu ermöglichen,

5. sicherzustellen, dass bei jeder Veränderung des Gartendenkmales das Einvernehmen der zuständigen Behörde vorliegt.

Begründung:

Denkmaleigentümer sind verpflichtet, für den Erhalt ihres Denkmales zu sorgen. Hinzu kommt die soziale, ökologische, stadtklimatische und emotionale Bedeutung von großen Bäumen im Kleinen Tiergarten (Ost) die in den vergangenen Monaten der Auseinandersetzungen um den Ottopark und Kleinen Tiergarten-West evident geworden ist. Diese vielschichtige Bedeutung muss im Kleinen Tiergarten (Ost) mehr Beachtung erfahren und höher als Planer-Ideen und Aufgabenstellungen des Bezirksamtes gewichtet werden.

Aus gestalterischen Ideen „großer Atem“ – weiter Blick“ usw. kann keine Rechtfertigung für die Fällung von gesunden (vielleicht pflegebedürftigen, weil
vernachlässigten) großen Bäumen hergeleitet werden.

Hinzu kommt der bereits in der Ersten Planungswerkstatt festzustellende Wunsch der Menschen, während der Erarbeitung der Planungen durch die beauftragten Planer und das Bezirksamt Mitte von Berlin, das Bestandsgrün zu schonen.

Gerade in der Umsetzung der Ausführungsplanungen sollte die „Bewahrung der Schöpfung“ – bei aller fundierten Professionalität – erste Priorität erhalten.

Wasserspiele/Springbrunnen reduzieren die Wahrnehmung des Verkehrslärms der nahe liegenden Straßen.

Ein belebter Wintergarten vom Café am Park bewirkt besonders in der kalten Jahreszeit eine positive soziale Kontrolle.

Schauer-Oldenburg, Marc Urbatsch, Wolfgang Lehmann und die übrigen Mitglieder der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Wolfgang Lehmann für die Fraktion

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