Mittes Start-ups innovativ unterstützen

Berlins wirtschaftliche Dynamik fußt seit mehreren Jahren auf dem anhaltenden Zuzug zumeist junger Menschen: Angelockt durch die Kreativität der Stadt und das liberale Lebensgefühl Berlins, ziehen diese aus aller Welt nach Berlin, um sich hier beruflich selbst zu verwirklichen und ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Dergestalt werden seit mehreren Jahren die meisten Unternehmen im Bezirk Mitte gegründet. Es ist daher Aufgabe politische Handelnder, diese Dynamik zu fördern und jene Infrastruktur bereitzustellen, die die berufliche Selbstverwirklichung dieser Personen unterstützt.

Insbesondere mittels im Bezirk Mitte auf privatwirtschaftliche Initiative hin neu gegründeter Gründerzentren können start-ups zielgerecht gefördert werden. Hier werden vorhandene Förderangebote akkumuliert und stehen diesen unterstützend zur Verfügung. Durch hochqualifizierte BetreuerInnen, regelmäßigen thematischen Informationsveranstaltungen sowie der Unterstützung bei der Akquirierung von Förderkapital werden start-ups in ihrem Wachstum unterstützt und schaffen hierdurch zusätzliche Arbeitsplätze. Ein technologieorientiertes neu gegründetes Unternehmen zieht z.B. drei gegründete zusätzliche Arbeitsplätze nach sich.

Grund genug für die Mitglieder der Fraktion Bündnis 90 / DIE GRÜNEN des Wirtschaftsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte, das neu gegründete Gründerzentrum „factory Berlin“ zwischen den ehemaligen Altbezirken Mitte und Wedding sowie das seit langen Jahren im Altbezirk Mitte etablierte frauenfokussierte Gründerinnenzentrum „WeiberWirtschaft“ zu besuchen.

20140611_120800[1]Gegründet durch google, weist die factory Berlin einen klaren technologieorientierten Schwerpunkt aus. Zahlreiche prominente MieterInnen, wie z.B. twitter, profitieren in prominenter Lage vom wirtschaftlichen Know-How dieses Technologieriesen und können innovative Produktideen mit großer Rückendeckung realisieren. Auch fördert ein mehrsprachiges Arbeitsklima Start-ups aus dem Ausland. Hingegen wurde die WeiberWirtschaft nach der friedlichen Revolution 1989 durch eine Genossenschaft von Frauen in einer ehemaligen Fabrik für Kosmetikprodukte gegründet. Hier wirken mittlerweile 68 kleine und mittelständische frauengeführte Unternehmen und Nonprofitorganisationen mit ca. 150 Arbeitsplätzen, welche die bezahlbaren Mieten sowie die angenehme Arbeitsatmosphäre an diesem Standort loben. Auch fördert die betriebseigene Kita sowie das hauseigene Mentoringprogramm „push up“ die wirtschaftliche Selbstständigkeit dieser. Ziel war es dabei bei der Gründung im Gegensatz zur factory Berlin weniger, von innovativen Produktideen zu profitieren als vielmehr ideell Frauen in ihrem selbstbestimmten Leben und Wirken zu fördern. Dieses langjährige Engagement wurde schließlich 2007 durch die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte mit dem Preis „Familienfreundlicher Betrieb“ ausgezeichnet.

Um diese für Start-ups förderliche Infrastruktur zu stärken und jene in ihrem Handeln zu unterstützen, bedarf es jedoch mehr als warmer Worte, sondern konkreter Taten:

-Nicht nur aufgrund der professionellen Unterstützung, sondern auch aufgrund im Bezirk Mitte erheblich gestiegener Gewerbemieten nutzen start-ups (günstigere) Räumlichkeiten in GründerInnenzentren, da Gewerberäume entweder für junge GründerInnen unerschwinglich geworden sind oder aber zuhauf durch HauseigentümerInnen spekulativ zweckentfremdet werden und über Jahre leer stehen. Diese werden dann steuerlich abgeschrieben. Nicht nur in der Spandauer Vorstadt, sondern auch in Moabit und Wedding stehen daher viele Gewerberäume leer. Hier muss der Gesetzgeber auf Bundesebene handeln und entsprechende steuerliche Anreize abschaffen.

-Neue GründerInnenzentren brauchen vor allen Dingen eines: Geeignete Gebäude. Auch, wenn mittlerweile die meisten „Filetgrundstücke“ verkauft wurden: Die von der rot-schwarzen Landesregierung zu Beginn der Wahlperiode groß angekündigte sogenannte „Neue Liegenschaftspolitik“, welche die verbliebenen Gebäude im Besitz des Landes Berlin nicht mehr nach dem Höchstpreisgebot vergeben sollte, sondern nach den sinnvollsten Nutzungsideen, hätte einen erheblichen Beitrag zur Schaffung zusätzlicher GründerInnenzentren leisten können. Leider hat sich die „Neue Liegenschaftspolitik“ als ein leeres Versprechen von SPD und CDU erwiesen. Noch immer werden Gebäude nach dem Höchstpreisgebot vom Liegenschaftsfonds verkauft. Die Vergabe der Grundstücke lässt viele Hintertüren für den Gesetzgeber offen und erfolgt meist intransparent. Dieses Handeln verspricht zwar kurzfristige finanzielle Einnahmen für die Landeskasse, wird aber mittelfristig zu erheblichen Problemen zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins führen. Hier bedarf es einer wirklichen neuen Liegenschaftspolitik!

-Vorhandene Wirtschaftsförderungsangebote des Landes Berlin wie der Bezirke sollten die GründerInnenzentren stärker als bisher in ihr Handeln integrieren. Daher sollten Möglichkeiten eruiert werden, inwiefern diese vom Erfahrungsreichtum von BetreiberInnen der GründerInnenzentren zur weiteren Modernisierung der Arbeit der öffentlichen Hand profitieren können. Die Wirtschaftsförderung sollte In Zeiten von Google weniger die Funktion einer Lotsenstelle haben als vielmehr UnternehmerInnen und GründerInnen in ihren spezifischen Belangen zu coachen. Letztlich sollte bei Neueinstellungen in der Verwaltung auch sichergestellt sein, dass die MitarbeiterInnen mehrere Sprachen fließend sprechen, um sich mit ExistenzgründerInnen aus aller Welt verständigen zu können.

20140611_120807[1]Wir Grüne werden zeitnah zahlreiche konkrete Vorschläge in der BVV Mitte unterbreiten, welche weiteren Möglichkeiten bestehen, start-ups sowie die Ansiedlung neuer GründerInnenzentren im Bezirk Mitte zu fördern. Auch werden wir die Entwicklung dieser GründerInnenzentren konstruktiv begleiten. Ziel soll es möglichst sein, GründerInnen bestmöglich in ihrer Entwicklung im Vergleich zu den anderen Berliner Bezirken trotz dem durch SPD und CDU politisch verordneten Personalabbau im Bezirksamt Mitte zu unterstützen.

Taylan Kurt, Bürgerdeputierter im Wirtschaftsausschuss
für die Fraktion

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