Wohin mit Luther

Sabine Weißler: Neben der Marienkirche zur Karl-Liebknecht-Straße hin, steht das Lutherdenkmal von Paul Otto und Robert Toberenz von 1895. Es ist Eigentum des Bezirks, so seltsam das klingt. Zum Lutherjahr 2017 soll es einen neuen Sockel erhalten, damit es besser gesehen wird. Das ist dem Land Berlin für den Wettbewerb 50.000 Euro wert, weitere 50.000 gibt die Evangelische Kirche dazu. Der eigentliche Sockel soll rund 900.000 Euro kosten dürfen. Woher dieses Geld kommen soll, ist bisher noch unklar.

Wie kommt man auf die Idee einen derart teuren Sockel ausloben zu wollen? Dazu muss man den „Referenzsockel“ kennen. Ursprünglich stand Luther auf einem 11 m hohen und rund 50 qm großen Bauwerk. Eine Treppe führte zu einer ersten Plattform, auf der erhöhten zweiten stand Luther. Begleitfiguren, flankierten die bauliche Inszenierung. Wenn diese Dimensionen angestrebt werden, dann sind die Mittel schnell verbaut. Und diese Dimensionen sind die Zielgrößen.

Der Bezirk Mitte nahm von Beginn an sehr kritisch an den Diskussionen teil. Das Bezirksamt beschäftigte sich wiederholt mit den Absichten der Initiatoren, die allerdings noch sehr unpräzise sind, was die Debatte nicht leichter macht. Ganz gleich aber wie der Wettbewerb letztendlich ausgelobt wird und welche Finanzmittel wo gefunden werden: Der Bezirk beabsichtigt nicht als Bauherr einzuspringen, Mitauslober des Wettbewerbs zu sein und auf alle Zeiten die Erhaltungskosten für das Bauwerk zu übernehmen. Noch wichtiger ist aber, dass sich das Bezirksamt darauf verständigt hat, zunächst die Gestaltungsentscheidung des Areals zwischen Rotem Rathaus und Karl-Liebknecht-Straße und Marienkirche und Spandauer Straße abzuwarten. Der gerade erst angelaufene BürgerInnendialog soll ernst genommen und nicht durch vorab Entscheidungen ad absurdum geführt werden.

Viel Klärungsbedarf, Mitdenken dringend erforderlich!

Sabine Weißler, Bezirksstadträtin für Weiterbildung, Kultur, Umwelt und Naturschutz

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