Pfiffige Idee aus dem Sozialamt trifft auf Anklang bei der Senatsverwaltung für Finanzen

Stephan von Dassel: Mehr als 25.000 Euro pro Jahr spart das Land Berlin, wenn eine vierköpfige Familie nicht in einer Notunterkunft, sondern in einer eigenen Wohnung wohnt. Egal ob es eine Flüchtlingsfamilie oder eine deutsche Familie ist. Insofern ist das Interesse des Landes an einer Vermittlung von Flüchtlingen und obdachlosen Menschen in Wohnungen nicht nur ein soziales, sondern auch ein finanzielles. Doch die Sozialämter haben für die Unterstützung der Wohnungssuche von Menschen, die nicht als „Premiummieter“ gelten, weder Geld noch Personal. Gleichzeitig stehen die Haushaltstitel, aus denen die hohen Tagessätze für die Notunterkünfte bezahlt werden, unbeschränkt zur Verfügung. Ich habe der Senatsverwaltung für Finanzen daher vorgeschlagen, aus den entsprechenden Haushaltstiteln – polemisch könnte man sie auch „Fass ohne Boden“ nennen – Geld für SozialarbeiterInnen entnehmen zu können, die Menschen, die alleine auf dem Wohnungsmarkt keine Chancen haben, bei der Wohnungssuche unterstützen.

In einem auf den Bezirk Mitte begrenzten Modellversuch, darf das Sozialamt jetzt ausprobieren, ob das Land Berlin so Geld sparen kann. Dass das Risiko dabei allein zu Lasten des Bezirkes geht, er selbst aber nur zu maximal 10 Prozent an den Einsparungen partizipiert, nehme ich angesichts einer einfachen Rechnung in Kauf. Jede Sozialarbeiterstelle hat sich refinanziert, wenn durch sie in einem Jahr zwei Familien aus einer Notunterkunft wieder in eine Wohnung vermittelt werden können. Das muss doch zu schaffen sein!

Stephan von Dassel, stellv. Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste

Verwandte Artikel