Kinder brauchen Platz, Schule braucht Raum

Systematische Überfüllung und Qualitätsgefährdung von Grundschulen in Mitte stoppen

Unser Bezirk wächst und wird immer attraktiver für junge Menschen und Familien. Im Wedding ist dieser Trend besonders deutlich seit Jahren erkennbar. Daher verwundert es auch nicht, dass dort mehr Kinder zur Einschulung angemeldet worden sind, als im Vorjahr.

Das von der SPD geführte Schulamt verlässt sich natürlich nicht auf Wahrnehmungen von Anwohnerinnen und Anwohnern, sondern auf Statistiken und Prognosezahlen. Daher musste es auch seit Oktober 2014 die hohen Anmeldezahlen an Grundschulen bemerkt haben. In Mitte wollen im kommenden Schuljahr nicht 3.000 Kinder einen Grundschulplatz haben, sondern 3.500. Das Amt hatte seit Oktober 2014 Zeit sich mit den Schulen und Eltern in Verbindung zu setzen, um für alle eine gute Lösung zu finden. Stattdessen prognostizierte das Amt den Schulen gegenüber, die hohen Anmeldungen würden sich noch „rütteln“ und teilte dann im Mai 2015 den Schulen die Verteilung mit. Aufgrund von zahlreichen Beschwerden haben wir daher in der Juni-BVV eine sehr gut besuchte thematische Stunde zum Einschulungschaos in Mitte durchgeführt. Ich danke den viele Eltern, Kindern und PädagogInnen für Ihr Kommen und Ihre Unterstützung!

Schulstadträtin Smentek (SPD) hat es versäumt auf die hohe Nachfrage adäquat zu reagieren. Veränderungen der Einschulungsbereiche, mobile Anbauten und andere Maßnahmen wurden nicht geprüft, stattdessen sollen Schulen nun systematisch überfüllt weden. Wir fordern daher eine sofortige Überprüfung der angekündigten Schulplatz-Verteilung. Diese muss sicherstellen, dass die Verteilung der SchulanfängerInnen sich sowohl am Elternwille sowie am Schulprofil, der bisherigen Aufnahmekapazität der Grundschule, einer Klassenfrequenz von maximal 25 sowie der Empfehlung des Senates in der AV SEP orientiert, wonach Grundschulen 3 bis 4-zügig zu organisieren sind.

Eine Überfüllung von einzelnen Schulen, wie u.a. im Fall der bereits gut ausgelasteten Weddinger Erika-Mann-Grundschule, die im kommenden Schuljahr anstatt 90 nun 140 SchulanfängerInnen aufnehmen soll, muss vermieden werden. Im Fall der Allegro-Grundschule in Tiergarten-Süd, wo das Bezirksamt die Vermietung von Schulflächen an eine Kita plant, sollte nun mindestens die Schülerzahlen-Prognose in Tiergarten-Süd überprüft und eine zeitlich befristete Vermietung von nicht mehr als 5 Jahren erfolgen. Auch in Alt-Mitte sollte dringend gehandelt werden: der in Aussicht gestellte Neubau einer Schule in der Chausseestraße sollte hier öffentlich im Schulausschuss diskutiert und ein Neuzuschnitt der Einschulungsbereiche sollte überprüft werden.

Das Schulamt sollte nun zeitnah Vorschläge unterbreiten, wie es den steigenden SchülerInnenzahlen in Mitte gerecht werden will und hierbei eine eventuelle Anpassung der Einschulungsbereiche (Sprengel) sowie Möglichkeiten mobiler Anbauten prüfen. Hierbei sollen die Schulen eng eingebunden, über die Aktivitäten des Schulamtes informiert und an der Umsetzung zu ergreifender Maßnahmen beteiligt werden. Zudem sollte das Bezirksamt ersucht, künftig bei sich abzeichnenden zu hohen Anmeldungen an Schulen, spätestens 4 Wochen nach Bekanntwerden der Zahlen im Schulausschuss über die Problematik zu berichten und mit den beroffenen Schulen eine Lösung zu suchen.
Wir bleiben dran und werden im kommenden Schulausschuss weiter darüber diskutieren.

Nächster Schulausschuss: 9. Juli, 17:30 Uhr, Ort: wird noch bekannt gegeben.
Jenny Neubert, schulpolitische Sprecherin der BVV-Fraktion

Unsere Drucksachen zum Thema:

(Un)erwartet explodierende SchülerInnenzahlen im kommenden Schuljahr: Steht Mitte vor dem Grundschul-Kollaps?

Einschulungschaos im Einschulungsbereich 1: Systematische Überfüllung von Weddinger Grundschulen?

Carl-Bolle-Grundschule bleibt, Heinrich-von-Stephan-Gemeinschaftsschule erhält Anbau: Ist nun alles paletti?

Schulentwicklungsplan (SEP) für Mitte fortschreiben: Wohnbaupotenziale berücksichtigen und Inklusion voranbringen

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