EmpfängerInnen des Integrationspreises 2015 mit Tilo Siewer (Vorsitzender des Integrationsausschuss) und Diethart Rauskolb (BVV-Vorsteher), Foto: Jenny Neubert

EmpfängerInnen des Integrationspreises 2015 mit Tilo Siewer (Vorsitzender des Integrationsausschuss) und Diethart Rauskolb (BVV-Vorsteher), Foto: Jenny Neubert

Integrationspreis 2015

„Sehr geehrte Damen und Herren, als ich an einem kalt-feuchten Novembersamstag im letzten Jahr auf dem Gelände des Poststations stand und mir mit vielen anderen das Innere eines großen, weißen Ballons anschaute, war mir ziemlich mulmig zumute. Hier sollten nun also einige Hundert Flüchtlinge untergebracht werden. Monate zuvor noch hatte ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Intergationsausschuss immer wieder höhrere Standards bei der Flüchtlingsunterbringung angemahnt.

Laudatio von Tilo Siewer (Vorsitzender des Integrationsausschuss) zum Integrationspreis 2015, Foto: Jenny Neubert

Foto: Jenny Neubert

Als Mathias Hamann den Besucherinnen und Besuchern die neue Einrichtung vorstellte, wurde sofort deutlich, dass er gewillt war, das absolut Beste aus den bestehenden Umständen zu machen. Er hörte zu, antwortete bereitwillig auf alle Fragen und nahm dankbar das Angebot der Anwohnenden an, sich einbringen zu wollen. Dies ist nicht unbedingt der Normalfall; so mussten wir doch im Zusammenhang mit dem Betrieb der Notunterkunft Levetzowstraße Gespräche zwischen der damaligen Betreiberin Gierso und ehernamtlichen Helferinnen und Helfern im Rathaus erst mühsam auf den Weg bringen.

Mittlerweile wird in vielen Einrichtungen für Geflüchtete unseres Bezirks durch Haupt- und Ehrenamtliche Seite and Seite gute Arbeit geleistet.

Die MitarbeiterInnen der Traglufthalle verstehen sich als BotschafterInnen unseres Landes. In diesem Zusammenhang darf ich Ihnen ein Zitat aus einer Rundmail von Mathias Hamann an die Ehrenamtlichen vorlesen:

„Wir sind also für viele Flüchtlinge das erste Stück Deutschland, das nicht Behörde ist. Und dieses Gesicht lächelt freundlich – vor allem Dank eurer Arbeit. Weil ihr morgens um sechs da seid, mittags um 12 oder bis spät abends bleibt, weil ihr auch mal zwei Monate nicht kommt und dann doch wieder, weil ihr auch am Wochenende da seid. Für so viel Treue und Durchhaltevermögen und andere Mitbegeistern einfach ein: Danke!“

Ohne die Arbeit, die Unterstützung der Ehrenamtlichen wären viele Angebote nicht möglich. Ein Beispiel ist der Kinderbereich: Dort kommen Kinder verschiedenster Ethnien und Kulturen zusammen – auch wenn deren Erwachsenenwelt oft miteinander verfeindet ist. Doch all das spielt in der Kinderecke keine Rolle. Es gibt weder Grenzen noch Vorurteile. Es wird gemeinsam gespielt, gemalt, und getobt. Und wenn die Kinder dabei lachen, dann lächeln auch die Eltern. Bei vielen Erwachsenen, denen auf ihrem Fluchtweg das Lächeln abhanden gekommen war, ist das wirklich etwas Besonderes!

Mitbegeistern konnte Mathias Hamann auch die Nachbarinnen und Nachbarn: Da die Essenszeiten in der NUK (Notunterkunft) nicht kompatibel mit den Vorschriften während des Ramadan waren, knüpfte er Kontakt zum „Haus der Weisheit“ in der nahen Rathenower Straße. Das Fastenbrechen fand während des Ramadan in der dortigen Moscheegemeinde mit gegenseitiger logistischer Unterstützung statt. Und als es mal wieder schwierig wurde mit der Unterbringung von Nachts vor dem LAGeSo ankommenden Geflüchteten, entwickelte sich eine gegenseitige Untersützung, bei der das „Haus der Weisheit“ auch zeitweilig sehr viele Menschen beherbegte. Am Ende des Ramadan wurde die Zusammenarbeit mit einem Zuckerfest in der Notunterkunft gefeiert.

Mathias Hamann ist ein Netzwerker und Brückenbauer, der andere zu motiveren und zu begeistern versteht. Das strahlt aus auf die Gesamtatmosphäre seiner Einrichtung und die Flüchtinge spüren sehr wohl, dass sie dort willkommen sind. Dafür danken wir Ihnen und verleihen Ihrem gesamten Team den Integrationspreis 2015. Herzlichen Glückwunsch!

Sehr geehrte Damen und Herren, der Verein Interaktiv e.V. wendet sich vorrangig an Menschen mit Behinderung und Zuwanderungsgeschichte. Erst im November 2011 gegründet hat der Verein in relativ kurzer Zeit eine erstaunliche Erfolgsgeschichte vorzuweisen und deswegen mittlerweile auch viele unterstützungswillige und ehrenamtlich mitwirkende Helferinnen und Helfer.

Unter dem Motto: „Es ist normal verschieden zu sein“ bietet der Verein unterschiedlichste Aktivitäten an. Von individueller und niedrigschwelliger Beratung über den Aufbau und die Betreuung von Selbsthilfegruppen bis hin zur Aufklärung und Sensibilisierung über die Situation von Menschen mit Behinderungen und Zuwanderungsgeschichte. Machen wir uns nichts vor, es ist nicht immer einfach, eigene Rechte anderen nahe zu bringen und einzufordern. Dies gilt umso mehr für Menschen mit Beeinträchtigung(en), die zudem noch lernen müssen, sich in einem für sie neuen Rechtesytem zurechtzufinden. Gerade da ist der Verein einfühlsamer und verlässlicher Partner an ihrer Seite und stärkt Persönlichkeit und Selbstwertgefühl der Betroffenen. Angebote im Bildungs-, Wohn-, Arbeits- und Freizeitbereich – auch in länderübergreifenden Projekten – runden das Bild der Aktivitäten ab.

Darüber hinaus kooperiert der Verein mit zahlreichen Partnern. Die Informationsreihe „mehr Wissen – mehr Teilnahme“ richtet sich insbesondere an Familien mit behinderten Kindern. Ziel ist es für die Familien erlebbar zu machen, dass Inklusions- und Integrationsarbeit keinen Gegensatz darstellen, sondern im Alltag zusammengeführt werden müssen, was die Bereitschaft aller Beteilgten erfordert.

Frau Bozdag ist der Motor und die gute Seele des Vereins. In kürzester Zeit hat sie mit unglaublichem Engagement gezeigt, wie entsprechend dem Bedarf Angebote für Menschen mit Behinderung und Zuwanderungsgeschichte initiiert und umgesetzt werden können. Ihr Gespür für unterschiedliche Kulturen, das sich natürlich aus der eigenen Migrationsbiografie speist, für Befindlichkeiten, Zugänge und barrierefreie Angebote haben das Projekt zu einem starken Partner in Mitte werden lassen.

Da das Projekt dazu beiträgt, Unsicherheiten und Barrieren, aber auch Klischees und Vorurteile zu überwinden, verleihen wir den Integrationspreis in diesem Jahr dem Verein Interaktiv e.V. und Frau Sevgi Bozdag. Herzlichen Glückwunsch!”

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