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Pressemitteilung: Anton Wilhelm Amo Straße jetzt!

Der gemeinsame Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD für die Umbenennung der M-Straße wurde gestern von der BVV Mitte angenommen. Die Straße soll künftig nach Anton Wilhelm Amo benannt werden. Hierzu erklärt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Berlin-Mitte:

Mit einem gemeinsamen Antrag haben die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und SPD die Umbenennung der M-Straße nach Anton Wilhelm Amo in die Wege geleitet. Am 20. August 2020 stimmte die Bezirksverordnetenversammlung Mitte dem Antrag zu. „Nach dem heutigen Demokratieverständnis ist der bestehende rassistische Kern des Namens belastend und schadet dem nationalen und internationalen Ansehen Berlins“, heißt es im gemeinsamen Antrag.

Das Bezirksamt wird nun ersucht, die Umbenennung der M-Straße gemäß dem Berliner Straßengesetz, AV Benennung, Ziff. 2 c), Abs. 3 und einem früheren Beschluss der BVV Mitte vorzunehmen und unverzüglich den Vorgang zur Umbenennung zu starten. Der Umbenennung voran gehen soll eine Information, die an die Anrainer*innen und die Stadtgesellschaft gerichtet ist, und an dessen Ende die Umbenennung der M-Straße steht.

„Hier geht es darum, einen rassistischen, diskriminierenden Raum abzubauen, der für Schwarze Menschen in Deutschland degradierend ist und ihre Würde verletzt. Zugleich geht es darum, ihre Geschichte, Perspektive und Forderungen darzustellen. Gerade deshalb haben wir den Namen Anton Wilhelm Amo gewählt“, sagt Laura Neugebauer, kulturpolitische Sprecherin und Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Mitte.

 „Es ist für uns als SPD-Fraktion von besonderer Bedeutung, dass ein dermaßen rassistisch konnotierter Straßenname aus dem Straßenraum entfernt wird. Es muss aber gezielt ein Alternativname gewählt werden, der im zeitlich-historischen Kontext der ursprünglichen Straßenbenennung im 17. Jahrhundert steht. Deshalb unsere Forderung nach einer Benennung nach Anton Wilhelm Amo“, sagt Falko Krause, kulturpolitischer Sprecher der SPD in der BVV Mitte.

Anton Wilhelm Amo (geboren um 1703, verstorben nach 1753) ist der erste Gelehrte afrikanischer Herkunft an einer preußischen Universität. Dieser Name wird seit vielen Jahren von zivilgesellschaftlichen Akteur:innen vorgeschlagen, um eine historische Persönlichkeit afrikanischer Herkunft zu ehren, die eng mit der Geschichte des Straßennamens verbunden ist. Die Straßenbenennung nach Anton Wilhelm Amo ist begründet in dessen Schicksal, seiner Lebensleistung und dem biografisch-räumlichen Bezug. Anton Wilhelm Amo wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von der holländischen Ostindien-Kompanie aus dem heutigen Ghana verschleppt und an den Hof von Braunschweig-Wolfenbüttel „verschenkt“. Er promovierte 1729 in Halle und wirkte bis 1747 als Wissenschaftler an den Universitäten Halle, Wittenberg und Jena, also im damaligen Königreich Preußen.

Seit den vergangenen Wochen erleben wir eine nie dagewesene Debatte über strukturellen Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten und Gewalt gegen diese. Es ist dabei auch eine Debatte, die nicht über, sondern von Betroffenen geführt wird und darlegt, dass rassistische Aussagen und Räume für Schwarze Menschen und People of Color demütigend, degradierend, verletzend und rassistisch diskriminierend sind. Einer dieser Räume ist die M-Straße.

Die Black-Lives-Matter-Demonstrationen zeugen von der Dringlichkeit, hier sofort aktiv zu werden!

Grundlagen:

  • Berliner Straßengesetz, AV-Benennung, Ziff. 2c, Abs.3: Zulässigkeit zur Beseitigung von Straßennamen, wenn …. die Beibehaltung nachhaltig dem Ansehen Berlins schaden würde
  • BVV-BA-Mitte Drucksache 0384/II, Kriterien bei der Umbenennung von Straßen und Plätzen, 2.: Die Beseitigung von Namen, die für nationalistische, militaristische und antidemokratische Haltungen stehen.

BVV-Antrag:

Pressekontakt:

Jian Omar (Fraktionsreferent)

Tel.+49 172 1895664

E-Mail: referent@gruene-fraktion-mitte.de

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