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Das Flussbad Berlin – ein Bericht

 

Baden in der Spree und das mitten in Berlin – das klingt derzeit noch nach einer Utopie. Eine Utopie, der sich der Verein „Flussbad Berlin“ angenommen hat und bestrebt ist auch zu realisieren. Wir Grünen in Mitte haben uns das Projekt näher angeschaut und uns aus erster Hand erklären lassen, was es mit dieser Idee auf sich hat.

Das Flussbad und die Vision

(c) united/Flussbad Berlin e.V.

Der geplante Bereich des derzeit noch ungenutzten Spreekanals

Mehr als 100 Jahre ist es her, dass der Spreekanal in Berlins historischer Mitte seine Funktion als Schifffahrtsroute verloren hat und seither weitestgehend ungenutzt bleibt. Ein Zustand, der die Initiatoren des Projekts vor 20 Jahren dazu brachte, erste Entwürfe für die mögliche Neunutzung des Wasserabschnitts zu erarbeiten. Die Vision: Der Spreekanal soll auf 850 Metern Länge in „eines der größten und schönsten Schwimmbecken der Welt verwandelt werden“. Zwischen Bode-Museum und Schlossplatz könnten sich die Berlinerinnen und Berliner dann im natürlich gereinigten Flusswasser inmitten der Stadt abkühlen.

(c) united/Flussbad Berlin e.V.

Perspektive Friedrichsgracht mit Pflanzen- und Kiesfilter

Der obere Teil des insgesamt 1,8 km langen Wasserlaufs soll eine einzigartige Biotoplandschaft sowie ein Schilfbecken zur natürlichen Reinigung des Flusswassers beherbergen. Das Wasser wird durch eine mit Schilf bestandene Kiesschicht zwischen Getraudenbrücke und Schleusenbrücke gefiltert und fließt so als sauberes Wasser in den tiefer gelegenen Schwimmbereich. Ferner führt die Renaturierung eines Teilabschnitts des Kanals zur Entstehung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere, die zur Funktionsfähigkeit der Spree im Innenstadtbereich beitragen.

Die Entwicklung des Projekts

Seit der ersten Idee vor genau 20 Jahren und heute gab es viele Überarbeitungen des Projekts. Technische Machbarkeitsstudien wurden durchgeführt und Anpassungen vorgenommen. So wurden bauliche Eingriffe deutlich reduziert, wodurch auch dem Denkmalschutz Rechnung getragen werden soll. Zudem fanden zahlreiche Gespräche mit den anrainenden Institutionen, Anwohner*innen, Museen und Betrieben statt, um die unterschiedlichen Interessen von vornherein zu berücksichtigen und in Einklang zu bringen.

(c) united/Flussbad Berlin e.V.

Die Perspektive vom Lustgarten (mit ursprünglich angedachtem Steg)

Als wesentliche Weiterentwicklung kann das Abrücken von der denkmalpflegerisch bedenklichen großen Freitreppe am Lustgarten und der damit verbundenen Idee einer „zentralen“ Erschließung des Schwimmbereichs angesehen werden. Stattdessen werden nun mehrere Anlagen favorisiert, die dezentral als Zugangsbereiche zum Wasser dienen sollen. Diese sind am ESMT Berlin (gegenüber vom Bode-Museum und vor dem Humboldt Forum) vorgesehen. Jeder der Bereiche besitzt einen eigenen Charakter, der sich in der Funktion und im Umfang der für die Realisierung notwendigen Maßnahmen unterscheidet.

Die Finanzierung des Projekts

Das Projekt wurde 2011 erstmals mit dem goldenen LafargeHolcim Award ausgezeichnet, – dem international bedeutendsten Preis für nachhaltige Architektur und Stadtentwicklung – der mit einem Preisgeld von 100.000 Euro ausgestattet ist. Geld, welches für die darauf folgende Planung und Weiterentwicklung genutzt werden konnte. Zahlreiche weitere Preise und Fördermittel folgten, die die Finanzierung gewährleisten. Heute wird der Verein im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“ von Bund und Land mit insgesamt 4 Mio. Euro gefördert. Dadurch soll sichergestellt werden, dass bis Ende 2018 alle Grundlagen erarbeitet werden, um eine politische sowie gesellschaftliche Entscheidung über die Realisierung des Projekts zu fällen. Aber auch für die Finanzierung nach dem Ende der Förderungszeit ist bereits – zumindest teilweise – gesorgt. Im Landeshaushalt für das Jahr 2019 wurde erstmals ein eigener Titel für das Flussbad geschaffen und somit ein starkes politisches Bekenntnis zum Projekt gemacht.

Was tut die Politik?

Obwohl das Projekt Ende der 90er Jahre vom zuständigen Baustadtrat noch als „unrealistisch“ abgetan wurde, hat sich seitdem viel getan. Die neue rot-rot-grüne Landesregierung hat Ende 2016 das Flussbad als stadtentwicklungspolitisches Ziel im Koalitionsvertrag verankert und im November 2017 ist ein überfraktioneller Antrag zum Flussbad im Abgeordnetenhaus mit breiter Mehrheit angenommen worden. Darin wird dem Senat der Auftrag erteilt, die Realisierung des Projekts durch die Einsetzung eines geeigneten Arbeitsgremiums zu unterstützen, und die Voraussetzungen zu schaffen, dass das Flussbad die erforderlichen Genehmigungen für den Betrieb erhält.

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sprach sich Silke Gebel, Fraktionsvorsitzende und damalige Sprecherin für Umweltpolitik, für das Vorhaben aus:

„(…) Es wird ein Marathon und kein Kurzstreckenlauf sein. Deshalb haben wir uns entschieden, den Antrag einzubringen, um dem Ganzen Rückenwind zu geben und deutlich zu machen, dass wir das ressortübergreifend anschieben und unterstützen. […]

Wir haben jetzt Geld in den Haushalt eingestellt, damit das Projektteam weiterdenken und weiterarbeiten kann. Wir wollen mit dem Antrag noch einmal Rückenwind für das Projekt und dafür schaffen, dass die Arbeitsgruppe ebenenübergreifend arbeitet. Ich hoffe, dass wenn 2018 der nächste Flussbad-Pokal ansteht […] wir einen Bericht vorliegen haben und sagen können: Wir sind hier echt einen großen Schritt weitergegangen. Darauf freue ich mich.“

Insbesondere die Eigentumsverhältnisse stellen dabei jedoch eine gewisse Herausforderung dar. Der Spreekanal gehört, wie fast alle Flüsse, dem Bund. Obwohl diesen schon fast 100 Jahre kaum Schiffe mehr befahren, wird er offiziell immer noch als Bundeswasserstraße verwaltet. Gleichzeitig nutzt ihn das Land Berlin zur Abfuhr ungeklärter Abwässer bei Starkregen. Die Uferbefestigungen hingegen teilen sich Bund, Land und Bezirk. Das führt zu einer hochkomplexen Eigentümerschaft, die einer entsprechenden rechtlichen Übereinkunft aller beteiligten Partner bedarf. Letztendlich sind zur Realisierung des ambitionierten Projekts alle politischen Ebenen gefragt und gefordert.

Wann wird das Flussbad eröffnet?

Das Flussbad ist ein Großprojekt, dessen Planung und Umsetzung mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Anders sieht es jedoch mit den einzelnen aufeinander aufbauenden Maßnahmen aus. Das temporäre Schwimmen könnte nämlich in kurzer Zeit möglich gemacht werden. Benötigt wird dafür lediglich nur eine kontinuierliche und verlässliche Methode zur Einschätzung der Wasserqualität und einige temporäre Zugangsmöglichkeiten. Dann könnte das Flussbad schon mal getestet werden.

Wie kann ich das Projekt unterstützen?

Für die langfristige und entscheidende Basisarbeit des Vereins sind die zweckgebundenen Mittel, die das Projekt erhält, nicht vorgesehen. Deshalb ist das Flussbad Berlin auf Spenden und insbesondere auch auf  regelmäßige Jahresbeiträge der Vereinsmitglieder angewiesen. Ihr wollt sie dabei unterstützen? Alles zum Thema Mitgliedschaft findet Ihr hier.

Natürlich ist auch die Unterstützung nicht-materieller Art wichtig. Sprecht mit Freunden und Arbeitskollegen über das Projekt und helft ihm dadurch zu größeren Sichtbarkeit zu gelangen. Schreibt Euren zuständigen Mandatsträger*innen in Bund, Land und Bezirk und teilt ihnen mit, dass Ihr in dem Projekt ein wichtiges Vorhaben seht, dass zur größeren Lebensqualität im Bezirk beitragen kann. Dann können wir Berlinerinnen und Berliner vielleicht schon bald wieder im Spreekanal, im Herzen der Stadt, baden gehen.

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